A bis Z - ein Glossar für die zirkuläre Innenarchitektur

 

BEITRAG 07

Wer sich mit zirkulären Prinzipien beschäftigt, stösst unvermeidlich auf Begriffe wie Cradle to Cradle, End of Life, CSR oder DYI. Doch was bedeuten sie und weshalb ist es wichtig, diese Begriffe einzuordnen?

Sprache formt unser Denken und unser Denken formt am Ende unsere Umgebung. Ein gemeinsames Verständnis von Konzepten und Prinzipien schafft Klarheit im Prozess, erleichtert die Zusammenarbeit von Planung, Handwerk sowie Auftraggeber:innen und stärkt den verantwortungsvollen Umgang mit unseren Ressourcen.

A

Agenda 2030
Zielsetzungen für eine nachhaltige Entwicklung, die an der Umweltkonferenz «RIO+20» der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung festgelegt wurden

AUE
«Amt für Umwelt und Energie», schweizerische kantonale Amtstelle für Energie, Abfallbewirtschaftung, Gewässerschutz, Lärmschutz, Altlastensanierung und Landwirtschaft

B

BAFU
«Bundesamt für Umwelt», zentrale Schweizer Fachbehörde für Umweltschutz, Klimapolitik und nachhaltige Ressourcennutzung

Biobasierte Materialien
Werkstoffe natürlichen Ursprungs – etwa Holz, Kork, Lehm oder Hanf –, die nicht nur ästhetisch wirken, sondern auch klima- und gesundheitsfreundlich sind

C

CO₂
Kohlenstoffdioxid, chemische Verbindung aus Kohlenstoff und Sauerstoff sowie klimawirksames Treibhausgas

Closed Loop
«Geschlossener Kreislauf», Bezeichnung für Produkte, deren Stoffe ohne Qualitätsverlust in einem geschlossenen Kreislauf gehalten werden können

Cradle to Cradle (C2C)
«Von der Wiege zur Wiege» statt «von der Wiege zur Bahre», Zertifizierungsinstitution und Begriff im Zusammenhang mit der Kreislaufwirtschaft; Designprinzip, bei dem Materialien nach ihrer Nutzung nicht zu Abfall werden, sondern als Rohstoff für neue Produkte dienen (geschlossener Kreislauf)

CSR
«Corporate Social Responsibility», sozialverantwortungsvolle Unternehmensführung

Curation
Designprinzip, bei dem vorhandene Objekte und Materialien basierend auf den definierten Kriterien bewertet, ausgewählt und zusammengestellt werden

D

Design for Disassembly (DfD)
«Design für Demontage», ist ein Gestaltungsprinzip, bei dem Produkte oder Bauwerke so entworfen werden, dass sie am Ende ihrer Lebensdauer leicht, zerstörungsfrei und sortenrein in ihre Einzelteile zerlegt werden können

DIY
«Do it yourself», steht für die Aufforderung, Dinge selbst herzustellen, zu kreieren oder zu reparieren und dabei keine festen Regeln oder Prinzipien verfolgt

DPP
Digitaler Produktpass, zentrales EU-Instrument zur Förderung der Kreislaufwirtschaft, das detaillierte Informationen über die Nachhaltigkeit, Materialzusammensetzung, Reparierbarkeit und das Recycling von Produkten entlang der gesamten Wertschöpfungskette digital (z.B. per QR-Code) speichert; Teil der Ökodesign-Verordnung (siehe ESPR)

E

Effizienz
Eine der drei Leitstrategien der Nachhaltigkeit, die sich auf die optimale Nutzung der Ressourcen konzentriert, um eine maximale Produktivität bei minimalem Rohstoff- und Energieeinsatz zu erreichen

Embodied Carbon
Engl. für gebundener CO₂-Fussabdruck, die CO₂-Emissionen, die in Herstellung, Transport und Verarbeitung eines Materials stecken

End of Life
Engl. für «Lebensende», bezeichnet das Ende des Lebenszyklus eines Produkts, also den Zeitpunkt, zu dem kein Wiedereinsatz mehr möglich ist

End of Use
Engl. für «Nutzungsende», bezeichnet das Ende der Nutzung eines Produkts, was nicht bedeutet, dass kein Wiedereinsatz mehr möglich ist

EPD
«Environmental Product Declaration», Umweltproduktdeklaration für Materialien und Produkte

ESPR
«Ecodesign for Sustainable Products», 2024 in Kraft getretene europäische Ökodesign-Verordnung

F

Fairtrade
«Fairer Handel», partnerschaftliche, auf Sozialstandards basierende Handelsbeziehungen; Gütesiegel für faire Arbeitsbedingungen entlang der Lieferkette

FSC
«Forest Stewardship Coucil», global anerkannte Zertifizierungsstelle für nachhaltige Wald- bzw. Holzbewirtschaftung

G

GOTS-Zertifikat
«Global Organic Textile Standard», Öko- und Sozialstandard der Textilbranche

GRI
«Global Reporting Initiative», Organisation für Standardisierung und Kontrollvorgaben zur Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten

I

ISO
«International Standard Organization», internationaler Normierungsstandard

J

JIT
«Just-in-time», Produktions- und Lieferstrategie, bei dem die Bereitstellung von Teilen mit dem jeweiligen Materialbedarf synchronisiert wird

K

KI
Künstliche Intelligenz, Informatikgebiet zur Entwicklung und Anwendung intelligenter Systeme

KLW
Kreislaufwirtschaft, systematisches Wirtschaftsprinzip, bei dem Produkte und Materialien durch Prozesse wie Wartung, Wiederverwendung, Aufarbeitung, Wiederaufbereitung, Recycling und Kompostierung im Kreislauf bleiben, statt linear genutzt oder verbraucht und am Ende der Nutzungszeit entsorgt zu werden

Konsistenz
Eine der drei Leitstrategien der Nachhaltigkeit, die auf umweltverträgliche und kreislauffähige Technologien und Materialien setzt, um die Umweltbelastung so gering wie möglich zu halten, die bestmöglichen Optionen abwägt und auswählt und durch veränderte Wirtschaftsweisen ökologische Probleme umgeht

L

LCA
«Life Cicle Assessment», Lebenszyklusanalyse, siehe auch Blogbeitrag

Loop Potential
Potentieller Kreislauf, Gegenstände oder Konstruktionen, bei denen mit Qualitätsverlusten im Recyclingprozess zu rechnen ist

M

Made in Green
Nachverfolgbares Produktlabel von Oeko-Tex für alle Arten von Textilien und Lederartikeln

Modul
Eine eigenständige, abgeschlossene Einheit oder Komponente, die spezifische Funktionen oder Dienste erfüllt und klare Schnittstellen hat, um mit anderen Teilen des Systems zu interagieren, siehe auch Blogbeitrag

N

Netto-Null-Ziele
Zielsetzungen zur Reduktion von CO₂ mit der Absicht, das Gleichgewicht zwischen erzeugtem und in der Biosphäre gebundenem Kohlendioxyd zu stabilisieren

O

Oeko-Tex
Gütesiegel der Textilbranche für ökologische und soziale Kriterien entlang der gesamten Wertschöpfungskette

Open Source
Eine bewusst sozialkritische Initiative, die das Recht aller Menschen auf Zugang zu Informationen verfolgt und die freie Nutzung, Änderung und Weitergabe von Produkten z.B. Software zu Verfügung stellt

P

Pariser Abkommen
Legte u.a. das vielbeachtete 1,5-Grad-Ziel zur Eindämmung der Erderwärmung fest (2015)

PCR
«Post-Consumer-Recyclate», Materialien, die nach ihrer Verwendung von Endverbraucher:innen als Abfall in Haushalten oder Gewerbe anfallen und für ein Recycling gesammelt werden

PET
«Polyethylenterephthalat», ein thermoplastischer und hervorragend recyclingfähiger Kunststoff, der insbesondere zur Herstellung von Trinkflaschen und Textilfasern verwendet wird

R

9R-Strategien
Auch «Re-Leiter» genannt, eine etablierte Methode zur Entwicklung kreislauffähiger Designs, die den Entwurfsprozess in neun thematische Massnahmenbereiche - R0 Refuse, R1 Rethink, R2 Reduce, R3 Reuse, R4 Repair, R5 Refurbish, R6 Remanufacture, R7 Repurpose, R8 Recycle und R9 Recover - gliedert und einer hierarchischen Abfolge unterliegt (mit steigendem Grad an Zirkularität von unten nach oben R9<R0)

Right to Repair

«Recht zu reparieren», Bemühung, kreislauffähige Produkte gesetzlich vorzuschreiben und mit einem Reparaturfähigkeitsindex zu kennzeichnen

Rückbau
Materialrückgewinnung durch die geplante Demontage anstelle durch Abbruch

S

SBCS
«Sustainability Balanced Scorecard», Mittel zur Überprüfung von Nachhaltigkeitsmassnahmen im Rahmen einer unternehmerischen Leistung

SDG

«Sustainable Development Goals», Nachhaltige Entwicklungsziele der UNO als Teil de Agenda 2030

Secondhand
Engl. für «aus zweiter Hand», bezeichnet gebrauchte Waren, die nach Erstnutzung weiterverkauft oder weitergegeben werden

Sekundärrohstoffe
Rohstoffe, die durch zirkuläre Aktivitäten, z.B. Recycling, wiedergewonnen werden und als Ausgangsstoffe für neue Produkte dienen

SGS

«Société Générale de Surveillance», unabhängige Kontrollinstanz zertifizierungspflichtiger Labels

Smart Grids
«Intelligentes Stromnetz», optimal ausgelastetes und intelligentes elektrisches Versorgungssystem

Suffizienz
«Genügsamkeit» vom ital. «sufficere», eine der drei Leitstrategien der Nachhaltigkeit, mit dem grundsätzlich grössten ökologischen Potential, die sich mit der Frage nach dem rechten Mass und Notwendigkeit von Produkten oder Dienstleistungen beschäftigt, den Verbrauch bewusst durch Hinterfragen von Bedürfnissen reduziert und auf Verhaltensänderungen abzielt

T

Take-Back-Systeme
Systeme, in denen Hersteller Materialien oder Produkte am Nutzungsende zurücknehmen – um sie wiederzuverwenden oder zu recyceln

TCO
«Total Cost of Ownership», Konzept, das alle Kosten für Erwerb, Nutzung und Entsorgung eines Produkts oder einer Dienstleistung erfasst, nicht nur die Anschaffungskosten

Triple-Bottom-Line
Ansatz zur Verflechtung ökonomischer, ökologischer und sozialer Aspekte

TÜV
«Technischer Überwachungsverein», unabhängige Kontrollinstanz zertifizierungspflichtiger Labels

U

UN Global Compact
Weltgrösste gemeinnützige Organisation für nachhaltige Unternehmensführung

Urban Mining
Rohstoffgewinn durch den Rückbau von Konsum- und Infrastrukturgütern

USG
«Umweltschutzgesetz», in der Schweiz seit 1985 in Kraft

UVR
«Umweltvölkerrecht», Teil des Völkerrechts mit Umwelt als zentralem Schutzobjekt

V

Verbindungen
Auch
«Fügungen» genannt, womit der Zusammenhalt von Werkstücken, Materialien, Bauteilen und Komponenten als Produkte, Bauwerke oder andere Objekte hergestellt wird und wonach - je Art der Lösbarkeit und der Verbindung - diese mehr oder weniger gut zerstörungsfrei voneinander getrennt werden können

W

Wandelbarkeit
Innenräume, die sich weiterentwickeln dürfen: nicht als starres Endprodukt, sondern als lebendiger Organismus

Z

Zero Waste
Null Abfall, Gestaltungsprinzip, bei dem Abfall konsequent vermieden wird


Über Kreisläufe sprechen, anstatt im Kreis drehen

Mit dem Verständnis von Begriffen, schärfen wir nicht nur unser Vokabular, sondern schaffen eine gemeinsame Basis für eine Zusammenarbeit mit zirkulären Materialkreisläufen und Räumlichkeiten.

Möchten Sie Ihre Räume mit zirkulären Prinzipien neu denken oder braucht ein bestehendes Projekt frische Perspektiven? Wir freuen uns auf ein unverbindliches Erstgespräch.

 

Quellenhinweis:
Dieser Beitrag basiert mehrheitlich auf der Begrifflichkeit aus dem Open Source Buch “Nachhaltige Designprozesse. Leitfaden für die gestalterische Praxis und Lehre” von Thomas Wüthrich und Yves Raschle. Weitere öffentlich zugängliche Quellen https://swissrecycle.ch/de/wertstoffe-wissen/recycling-abc

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Modulares Design: Räume, die sich verwandeln